Man muss loslassen können

"Der Bedarf an Informationen ist groß", bestätigt Marcel Theijs vom Haufe-Lexware Wirtschaftsverlag in Freiburg. Als Familienunternehmen, das 30 % seiner Kundschaft im Handwerk hat, wisse man genau um die Bedürfnisse der Betriebe bescheid, deshalb sei man bei der Initiative Chefsache von Anfang an dabei. Es habe schwerwiegende Folgen, wenn man sich als Unternehmer nicht über die Zeit des eigenen Arbeitslebens hinaus um sein Unternehmen kümmern wolle, bestätigt der Freiburger Sparkassenvorstand Bernd Rigl. "Ab dem 50. Lebensjahr fragen wir das Thema bei der Kreditvergabe ab", so Rigl. Wer als Unternehmer hierzu keine Antworten gebe könne, werde bei der Kreditwürdigkeit herabgestuft. Schließlich gehe es darum, für scheidende und angehende Unternehmer die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen, und das brauche eben Zeit. Mit der Initiative "Chefsache"wolle man Infoangebote bereitstellen, die letztlich helfen sollen, Kapital und Wirtschaftskraft in der Region zu halten und zu binden. Es geht dabei um Fragen wie "Wer soll den Laden übernehmen?" oder "Wie wird die Nachfolge juristisch und finanziell geregelt?"

Einer, der vom Mitarbeiter zum Chef geworden ist, ist der Offenburger Raumausstatter Rolf Schrempp, der vor zwei Jahren nach vier Jahren Planungszeit den Betrieb übernommen hat, für den er zuvor 17 Jahre lang als Angestellter gearbeitet hat. Mit seinem ehemaligen Chef hat er ein Pachtmodell für die Immobilie des Unternehmens ausgearbeitet. Die Firma hat er gekauft, in zehn Jahren will er aus dem Kredit draußen sein. "Es gab Zeiten, da war der Druck so groß, dass ich nachts ins Wohnzimmer zum Schlafen bin", sagt der 34-jährige. "Zum Glück wusste ich am Anfang nicht, was da alles an Verantwortung auf mich zukommt!" Mittlerweile überwiege aber das Positive. "Vor allem, wenn einer einen gro?en Auftrag unterschreibt", feixt Schrempp, der mittlerweile acht Mitarbeiter beschäftigt. Beim Schritt aus dem Angestelltenleben ins Unternehmertum sei die Beratung durch Experten aus Kammer und Banken wichtig gewesen: „Ohne Plan geht es nicht, man braucht einfach viel externes Know How. "Der Übergang in die Chefrolle im Kollegenkreis sei unproblematisch gewesen, der Laden laufe heute besser denn je. " Das ist einfach die Dynamik, die man als Jungunternehmer reinbring, ist Schrempp überzeugt. 2011 wurde sein Betrieb zum "Fachhändler des Jahres" in der Raumausstatterbranche gekürt. "Gründer übernehmen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung, gerade auch in Bereichen wie Ausbildung und Integration, für die ihnen viel Respekt gebührt, lobt der Freiburger Volksbank-Vorstand Volker Spietenborg den Jungunternehmer Schrempp stellvertretend.

"Man muss loslassen können", so Burgers Fazit. Das bestätigt auch Kammerpräsident Paul Baier, der seinen Betrieb in der Ortenau vor 12 Jahren an einer seiner zwei Söhne übergeben hat. "Wenn es soweit ist, muss man das Geschäft auch wirklich abgeben können, der Senior muss raus", sagt er. Man müsse bereit sein, auch Zugeständnisse beim Verkauf zu machen. "Wer seinen Laden vergolden will, macht beide Seiten zum Verlierer", so Baiers Überzeugung. Es sei wichtig, sich rechtzeitig nach einem Nachfolger umzusehen. "Eigentlich schon ab dem Moment der Unternehmensgründung", ergänzt Volker Spietenborg.