Europapark Rust

 Ein Blick in die Werkstätten des größten Freizeitparks in Deutschland

Die bundesweite Imagekampagne des Handwerks in Deutschland hat im vergangenen Jahr für einige Furore gesorgt. Vor allem ein Filmspot, der im Stil eines groß angelegten Weltuntergangsszenarios voller Tricktechnik  aufzeigte, dass unsere Gesellschaft ohne dasHandwerk praktisch noch in der Steinzeit leben würde, blieb im Gedächtnis haften. Doch man muss nicht die Kinoleinwand oder den Fernsehapparat bemühen, wenn man sehen will, wo das Handwerk überall mitmischt. Auch ein Freizeitpark wie der Europa Park in Rust kann nicht ohne Handwerker Spaß und Unterhaltung bieten. Ein Blick hinter die Kulissen des Parks zeigt schnell: Ohne Handwerk würde auch hier nichts funktionieren...

Wer den Europa Park besucht, der will spektakuläre Fahrgeschäfte, bunte Paraden und tolle Kostüme in den Shows, aber auch geschmackvoll gestaltete Gärten sehen. Die gibt es nicht von allein. Insgesamt beschäftigt der Park mittlerweile über 3.000  Menschen, weitere 8.000 Jobs in der Region hängen indirekt von Deutschlands größtem Freizeitpark ab, so die Betreiber. Alleine in den sieben Werkstätten des Parks, wie der eigenen Schreinerei, der Siebdruckerei, der Schlosserei oder der Gärtnerei sind auf dem Parkgelände über 130 Handwerker angestellt. Fast die Hälfte davon sind Azubis. 1980 wurde hier der erste Auszubildende eingestellt. Er  ist heute noch im Unternehmen tätig. Da die hauseigene Mannschaft aber nicht alle Arbeiten alleine stemmen kann, werden noch einmal rund 130.000 Handwerkerstunden im Jahr extern vergeben, so der Technische Leiter des Parks Horst Römer. „Hier geht es auch um viel Verantwortung“,  so Römer. Schließlich habe man die täglichen Kontroll- und Wartungsarbeiten an  den Fahrgeschäften zu leisten. Alle drei Wochen bekommt zum Beispiel die Achterbahn „Silver Star“ neue Bremsbeläge.  Alleine 3.000 Räder an Achterbahnen gelte es Tag für Tag zu kontrollieren, um über vier Millionen Besuchern im Jahr neben dem Vergnügen auch die nötige Sicherheit der 100 Attraktionen, 60 Läden, beinahe 50 Gastrobetriebe und 20 Spielhallen im Park gewährleisten zu können. Horst Römer: „Das heißt: Wir brauchen hier Fachleute  mit guter Ausbildung!“ Einige müssen zudem schwindelfrei sein und die Achterbahnen bis in eine Höhe von 70 m „zu Fuß“ kontrollieren.

Kein Wunder also, dass Paul Baier, der Präsident der Freiburger Handwerkskammer (HWK) beim Besuch im Park betont, wie froh man sei, einen so bodenständigen und erfolgreichen Partner wie die Betreiberfamilie Mack in der Region zu haben, der er noch dazu bescheinigen könne, sich vorbildlich um das Thema Nachwuchsförderung zu kümmern. „Es kann ja auch kaum eine bessere Reklame für einen Handwerker geben, als sein Auto hier auf dem Parkplatz abzustellen, wenn er im Park zu tun hat“, so Baier. „Handwerk und Technik gehören zu unseren Kernkompetenzen. Wir arbeiten dabei  getreu dem Motto unseres Parkgründers Franz Mack“, betont Parksprecher Volker Klaiber. „Entweder wir machen es gescheit, oder wir lassen es.“ Der im Oktober 2010 verstorbene Seniorchef des Parks  sei schließlich selbst gelernter Karosseriebauer gewesen, so Klaiber weiter.

Mehr verschiedene Gewerke an einem Ort finde man kaum, sagt auch Martin Düpper, der Sprecher der HWK. Denn im Europa Park  wird jedes Jahr ordentlich Material verarbeitet: Es gilt 3.000 Kostüme zu pflegen und in Schuss zu halten, 9 km Faden zu vernähen, 40 t Farbe zu verschaffen und 60 m³ Massivholz zu verbauen, wenn neue Attraktionen gebaut und bestehende verändert werden sollen.sich bringt: „Ich bin seit 1988 als Geselle und seit 1994 als Meister hier tätig. Und kein Tag ist wie der andere!“ Kurze Wege, keine Arbeit von  der Stange, ständig neue Herausforderungen, was wolle man mehr? „Es sind nicht nur die Dinge, die der Parkbesucher  sieht, wir sind ja auch für viele andere Bereiche zuständig, zum Beispiel gilt es, die Wohnungen der Künstler in Ordnung zu  halten und so weiter!“Auch Malermeister Dominik  Braun stimmt zu: „Wir haben hier ständig neue Sachen zu tun.“ Schnelligkeit sei dabei immer gefragt,  ergänzt Schneider- Azubi Alisa Bergmann, die gerade ein Kostüm für die tägliche Parade im Park überarbeitet.  Auch Maler Dirk Schöpflin hat wenig Zeit zum Plaudern, er muss noch eine neue Figur für den Märchenwald fertig stellen, während Theatermalerin Nina Hockenjos  es bei der Gestaltung eines Schildes für ein neues Fahrgeschäft in „Italien“ etwas ruhiger angehen lassen kann, denn hier ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt. Und Daniel Fuchs, der Teamleiter der Schlosserei des Parks ergänzt: „Das Achterbahn fahren verliert zwar mit der Zeit ein wenig an Reiz, aber Spaß macht es trotzdem immer noch.“ Parallel dazu reparieren seine Kollegen Michael Dzonn ein Fahrgestell der Panoramabahn und Albrecht Ohnemus eine Figur aus der Edelsteinwelt des Parks. Ohnemus fachsimpelt dabei mit Kammerpräsident Baier über die Arbeit in der Schlosserei. Baier ist begeistert: „Ihr stellt das  Handwerk hier wirklich prächtig dar“, wird er am Ende des Besuchsden Kollegen im Park mit auf den Weg geben. Nur Achterbahn fahren will er selbst nicht: „Ich weiß nicht, ob es mir dabei so gut gehen würde...“ 

Mehr Gewerke an einem Ort findet man kaum

Rainer Botsch, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Freiburger HWK fasst seine Eindrücke vom Handwerk im Park kurz und prägnant zusammen: „Kreativität, Schnelligkeit, Kundennähe.  Das zeichnet das Handwerk aus und das ist es, was wir hier im Europa Park vorfinden!“ Der Park war nach eigenen Angaben vor drei Jahrzehnten Vorreiter in Sachen Ausbildung unter den Freizeitparks in Deutschland und bildet derzeit in 15 verschiedenen Berufen vom Bauzeichner bis zum Anlagenmechaniker aus, dazu kommen noch  einige Studiengänge an Dualen Hochschulen. Die Mitarbeiterzahl hat sich hat sich seit der Parkgründung 1975 von 175 auf 3.100 erhöht, durch den Bau des geplanten fünften Hotels im Park werden 200 weitere Arbeitsplätze entstehen. „Wir bekommen Bewerber aus ganz  Deutschland, die Qualität der Bewerbungen ist ebenfalls gut“, betont Volker Klaiber. Gelebte grenzüberschreitende Zusammenarbeit gibt es für die Mitarbeiter gleich noch inklusive dazu, denn je nach Bereich arbeiten bis zu 60 Prozent Franzosen im Park.
                                                                                                                          rd
www.europapark.de
www.handwerkskammer-freiburg.de