Wie eine Idee die Welt umrundet

Das hätten sie sich nicht träumen lassen: Ein Studentenfilm aus Südbaden sorgt rund um den Globus für Furore im Internet. Über 17 Millionen Klicks bei You tube, das sind Dimensionen, in denen sonst eher Popstars zu finden sind.

Doch auch „Be Japy e.V.“ haben das geschafft. Geplant war es nicht: Die vier Studenten Julian Wagner, Andreas Zimmermann, Peter Wilhelm und Yannick Grewe sollten für ihr Studium im Fach Medien- und Informationswesen an der Hochschule Offenburg lediglich eine Semesterarbeit abliefern. Da sie schon vorher den Wunsch hatten, sich sozial zu engagieren, nahmen sie sich als Fragestellung vor, mit einem Film und Musik in den Medien„Facebook“ und „Youtube“ zu ergründen, wie „sozial“ die sozialen Netzwerke im Internet denn funktionieren. Vom Erfolg ihrer Aktion wurden sie regelrecht überrollt.

„Wir haben vor einiger Zeit den gemeinnützigen Verein „Be Japy e.V.“ gegründet“, so Peter Wilhelm (27), der angehende Marketingexperte des umtriebigen Quartetts. Das Wort „Japy“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der vier Studentenzusammen. Das Konzept der jungen Männer war es zunächst, mit öffentlichen Aktionen auf soziale Themen aufmerksam zu machen. Eines ihrer Projekte war es dabei im vergangenen Frühsommer, obdachlosen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, indem sie sich zu den Menschen setzen, ihren Song „Another Chance“ und andere Lieder singen und dann das Geld, das so zusammenkommt den jeweiligen Obdachlosen zu geben. Straßenmusik für einen guten Zweck. Der Film, der in der Folge darüber entstand und den die Studenten professionell inszenierten, zeigte allerdings anstelle eines „richtigen“ Obdachlosen einen Schauspieler, der diese Rolle ausfüllte. Dass sie dies zunächst nicht im Film kenntlich machten, brachte den jungen Männern im Internet auch einiges an Kritik ein. „Dabei hatten wir schon den zweiten Film fertig, in dem wir das Konzept erklären“,sagt Wilhelm. Unter anderem sei es eben ihr Ziel gewesen, den Film möglichst professionell zu gestalten.

Auch der Vorwurf, sich auf Kosten Benachteiligter zu profilieren oder zu bereichern, wurde laut. „Am Anfang haben wir versucht, einzelne Kritiker direkt per Mail anzusprechen, es kam aber nie eine Antwort“, berichtet Peter Wilhelm. Die 17 Millionen Klicks bei „Youtube“ haben die vier Männer nicht reich gemacht: „Wir haben von vornherein keinen entsprechenden Partnervertrag mit Youtube geschlossen“, so Wilhelm. Denn, so betonen Andreas Zimmermann und Peter Wilhelm im Gespräch, es geht den Machern hinter „Be Japy“ nicht um sich selbst: „Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass schon eine kleine Geste viel bewirken kann. Unser Ziel war es, 10.000 Klicks mit dem Film im Netz zu erreichen“, so Wilhelm. Doch mittlerweile haben allein auf „Youtube“ über 17 Millionen Menschen sich ihren Kurzfilm angeschaut. Dazu kommt noch die Verbreitung in anderen Kanälen im Netz, die den Film kopiert haben. „Wir schätzen, dass so insgesamt mehr als 25 Millionen Klicks zusammengekommen sind“, sagt Wilhelm. Die Verbreitung des Videos sei regelrecht explosionsartig quasi über Nacht gekommen.

Die Folge: natürlich gab es für die Studienarbeit zunächst einmal eine glatte „1“. Und dann natürlich jede Menge Rummel: Medien aus aller Welt haben in den letzten Monaten über das Projekt der südbadischen Studenten berichtet, vor allem Peter und Andreas hatten einiges Interviews zu bewältigen, während Yannick und Julian in den Semesterferien waren.

„Zeitintensiv, aber auch sehr spannend“, sei das alles gewesen, so Andreas Zimmermann. „Wir sind mit dem bisherigen Verlauf des Projekts hochzufrieden.“

Kontrollieren, was mit dem Video im Netz passiert, können „Be Japy“ seit der explosionsartigen Verbreitung im Sommer längst nicht mehr. Während sie selbst kein Geld damit verdienten, hat ein anderer Kanal im Netz zum Beispiel das Video übernommen und generierte damit eine Zeit lang Werbeeinnahmen.

Ein amerikanischer TV Sender, Zeitschriften aus Polen, Buchautoren und ein Manager haben sich gemeldet. „Ein amerikanischer Fernsehsender hat morgens um zwei Uhr bei Peter angerufen, um ihn zu interviewen“, so Andreas Zimmermann (27). Zeitschriften aus Polen, interessierte Buchautoren und ein Manager, der die Gruppe unter seine Fittiche nehmen will, folgten.

Peter Wilhelm muss lachen, wenn er sich den Rummel bewusst macht: „Wir sind doch keine Boy-Group auf dem Sprung zur Japantournee!“

Denn eigentlich wollen Wilhelm, Zimmermann, Wagner und Grewe lieber noch ein paar Ideen ausbrüten, die die Welt ein wenig besser machen sollen: Den30. August haben sie kurzerhand zum weltweiten „Japy Day“ ausgerufen: Jeder kann etwas bewirken, jeder kann sich mit einer Kleinigkeit für eine sozialere Welt stark machen, so das Motto dahinter. „Das muss keine große Sache sein“, betont Andreas Zimmermann. „Wir wollten aber Leute auf der ganzen Welt inspirieren, etwas zu tun.“ Über 1.300 Menschen haben sich im Juli via „Facebook“ mit Ideen für Aktionen zu Wort gemeldet: Eine Familie aus Mexiko kündigte an, am „Japy Day“ bedürftige Familien mit Essen zu versorgen. Eine Frau aus Australien wollte 50 Bedürftige zum Kaffee einladen, weil sie gerade 50 geworden ist. Ein Mann aus Ungarn wollte helfen, den Spielplatz eines Kindergartens zu renovieren. Zimmermann und Wilhelm waren selbst in Freiburg in einem Altenheim mit einer Grußkartenaktion für die Heimbewohner zugange, bei der die Bewohner Karten für ihre Angehörigen schreiben und fotografisch professionell umsetzen konnten. Am Ende, so Peter Wilhelm im September, seien rund 40 Aktionen weltweit verwirklicht und dokumentiert worden.

 

Vor allem in Mexiko hat „Be Japy“ mittlerweile Anhänger, die sich fortan monatlich mit einer sozialen Aktion für Benachteiligte engagieren wollen. Wie es mit ihnen selbst nun weitergehen wird, können die Jungs von „Be Japy e.V.“ noch nicht einschätzen. „Wenn man mich vor einem halben Jahr gefragt hätte, was ich nach dem Studium machen will, dann hätte ich vermutlich gesagt, dass ich ins Marketing gehen will, vielleicht im pharmazeutischen Bereich“, berichtet Peter Wilhelm. Und Andreas Zimmermann, der den Song „Another Chance“ aus dem „Be Japy“ Video komponiert hat, sagt, dass er gern seine musikalische Ader weiter verfolgen würde. „Radio wäre mein Traumjob“, sagt er. Nun hoffen beide aber vor allem, dass es mit dem „Be Japy“ Verein und ihrer karitativen Arbeit noch eine Weile weitergehen wird. „Be Japy“ haben zumindest für den Moment Menschen in aller Welt dazu inspiriert, gute Sachen für ihre Mitmenschen zu tun. Ob dieses Feuer am Lodern bleiben wird, weiß keiner: „Wir sind uns aber bewusst, dass der Erfolg im Netz auch schnell wie ein Kartenhaus zusammenstürzen kann“, weiß Peter Wilhelm. Und Andreas Zimmermann bestätigt: „Wirerleben im Moment einfach sehr viel und sammeln viel Erfahrung.Es bleibt bisher noch keine Zeit, mal alle Dinge Revue passieren zu lassen und richtig einordnen zu können, was da alles passiert ist seit Juli.“

rd

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