MINDESTLOHNDEBATTE MAL ANDERS

Experten finden keine Belege für negative Arbeitsmarkteffekte durch Mindestlöhne. Wirken Mindestlöhne sich negativ auf den Arbeitsmarkt aus? Vernichten sie gar Jobs? Nein, sagen die Experten, die im Auftrag der Hans-Böckler- Stiftung dieser These auf

den Grund gegangen sind: Wissenschaftler des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen haben den in- und ausländischen Forschungsstand zu Niedrig- und Mindestlöhnen umfassend aufgearbeitet und herausgefunden, dass Betriebe

in innovativen Ländern wie Deutschland gut mit Effizienzsteigerungen auf die Lohnuntergrenze reagieren können.

 

Die Qualifikation der meisten Beschäftigten im Niedriglohnbereich erleichtere die Einführung des Mindestlohns ebenfalls, so die Forscher: Gut drei Viertel der Beschäftigten mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro haben einen beruflichen oder akademischen

Abschluss. Die Bundesregierung sei bei der Einführung des Mindestlohns zudem „bedacht und vorsichtig“ vorgegangen, so die Studie weiter: Die Unternehmen hätten mehr als ein Jahr Zeit erhalten, um sich auf den Mindestlohn vorzubereiten. Ausnahmen vom allgemeinen Mindestlohn sehen die Forscher hingegen kritisch: Sie würden „Tür und Tor für die Nichteinhaltung des gesetzlichen Mindestlohns öffnen“, heißt es. Eine konsequente Überprüfung der Einhaltung und abschreckende Sanktionen

bei Verstößen seien zudem entscheidend für die Akzeptanz bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern: „Die Erfahrungen im In- und Ausland zeigen, dass ein Mindestlohn bei den Unternehmen akzeptiert wird, wenn sie sicher sein können, dass er auch von Konkurrenten bezahlt wird.“

 

Im Jahr 2012 verdienten mehr als 2,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland weniger als 6,– Euro pro Stunde. Die Einführung des Mindestlohns bezeichnen die Forscher vor diesem Hintergrund als „eine der größten Sozialreformender Nachkriegszeit“.

 

mas